Der "Mindener Stichling"

Der nationale Kabarett-Preis der Stadt Minden wird seit 1994 alle zwei Jahre verliehen.

Die nächste Preisverleihung ist am 17.11.2018 im Stadttheater Minden.

 

 

 

 

 

 


 

Gala vor ausverkauftem Haus: Stichlinge für Nils Heinrich, „Suchtpotenzial“ und Bernd Gieseking

 gala 2016

NilsHeinrich

Suchtpotenzial Julia Gamez Martin

Nils Heinrich und Suchtpotenzial Julia Gámez Martin

Bernd Gieseking

Bernd Gieseking

Minden
Aus Bronze ist er und schwer: der Mindener Stichling. Drei Exemplare der von Katja Hausmann geschaffenen Skulptur stehen an diesem Samstagabend, 5. November, auf der Bühne im Stadttheater und warten auf die Vergabe an die Preisträger*innen. „Als ich 2008 die Auszeichnung bekommen habe, war ich überrascht, wie viel dieser wiegt – mindestens vier bis fünf Grimmepreise“, witzelte Moderator und Kabarettist Moritz Netenjakob zum Auftakt der Gala, die alle zwei Jahre zur Vergabe des städtischen Kabarettpreises dem Theater ein ausverkauftes Haus beschert.

Die gewichtige Auszeichnung der Stadt Minden, die seit 1994 vergeben wird, erhielten am 5. November 2016 Nils Heinrich und das Duo „Suchtpotenzial“. Der Sonderpreis zum 50. Geburtstag der „Stichlinge“ ging an den gebürtigen Kutenhauser und überzeugten Ostwestfalen Bernd Gieseking. Alle drei präsentierten Auszüge aus ihren aktuellen Programmen und boten zwei Stunden hochkarätige Unterhaltung. Der gut aufgelegte Moderator Moritz Netenjakob glänzte unter anderem mit zwei Variationen des Märchens „Hänsel und Gretel“ – einmal verpackt als Sportreportage, das zweite Mal als Ansage eines Flugkapitäns.

Nils Heinrich trat mit einer ungewöhnlichen Gitarre auf, die „gerade noch ein Klapprad war“. Nach dem ersten Song berichtet er, dass er wurde vielfach aufgefordert wurde, doch mal was zu Flüchtlingen zu machen. „Nur welche sind gemeint?“, fragt er sich. Die Tamilen und Vietnamesen, die in den 80er Jahren nach Deutschland kamen? Oder die Aussiedler*innen aus den osteuropäischen Staaten, die Mitte der 90er Jahre von Helmut Kohl eingeladen wurden? Oder doch die, die jüngst willkommen geheißen wurden? Die Frage bleibt offen. Sein neues Buch heißt: „Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt“ und dazu brachte Heinrich dann auch eine Anekdote aus dem Alltag. Denn der Auftrag seiner Ehefrau, „mal eben“ einen Natur-Joghurt aus dem Biomarkt mitzubringen, gestaltete sich als große Herausforderung als er vor dem riesigen Regal steht.

Einen bleibenden Eindruck beim Mindener Publikum hinterließ auch das Duo „Suchtpotenzial“, das den Gruppen-Preis erhielt. Julia Gámez Martin (Gesang, Berlin) und die Ariane Müller (Piano, Schwaben) schlugen eine Brücke zwischen Rock ‘n Roll, Hip Hop und Kabarett, nahmen dabei auch „kein Blatt vor den Mund“. Die Disney-Lüge wird im ersten Stück auseinander genommen, dann sucht Julia Gámez Martin einen „Bauern zum Mann“. „Suchtpotenzial“ besticht mit gegenseitigen Provokationen und frechen Texten. Beide singen und sinnieren mit viel Ironie über den Alltag und das Frau-Sein. Das aktuelle Programm trägt den Titel „Programm „Alko Pop 100 Vol%“. Das machte vielen nach vorgegebenen 25 Minuten Programm Lust auf mehr. Am 1. März 2017 sind die beiden erneut im Stadttheater zu sehen und zu hören. Es gibt noch Karten.

Die 500 Zuhörer*innen im Saal und auf den Rängen hatte Lokal-Matador Bernd Gieseking schon zu Beginn seines Auftritts auf der Seite. Donnernder Applaus für seine Ausführungen zur Emotionsfähigkeit der hiesigen Bevölkerung: „Ja, wenn einer seine Gefühle zeigen kann, ist das der Ostwestfale!“ Kurze Pause und dann nach Stirnrunzeln im Publikum die Auflösung: „Allerdings gehen unsere Gefühle niemanden etwas an.“ Auch Erlebnisse mit seinen Eltern auf einer Finnland-Reise – aus dem Buch „Finne Dich selbst“ - nimmt er aufs Korn. Dann berichtet in einem Auszug aus seinem neuen Buch „Gefühlte 30“ von einem Klassentreffen, wo lauter scheinbar unbekannte Personen ihn herzlich begrüßten. Komisch! Am Anfang erwähnt der Kabarettist und Autor kurz, dass er seine Karriere bei den „Mindener Stichlingen“ begonnen hat, die Namensgeber des Preises sind. Seine Eltern nahmen ihn seinerzeit zu einem Auftritt ins Haus der Jugend mit. Wer hätte damals geahnt, dass aus einem anfänglichen Fan und späteren Amateur-Kabarettisten mal ein Profi und Preisträger wird? Wohl keiner! Umso mehr Applaus gab es für Bernd Gieseking.

Am Ende hatten dann Bürgermeister Michael Jäcke und Stichlings-Gründer Birger Hausmann ihren Auftritt. Bronzeskulpturen, Urkunde und Preisgeld wurden an die glücklichen Preisträger*innen überreicht. Mit einer Karte an einem Abend gleich vier Kabarettisten – das wird nicht oft geboten, aber eben alle zwei Jahre im Mindener Stadttheater. Wer an dem Abend nicht dabei war, kann die Preisverleihung am Samstag, 12. November, um 15.05 Uhr auf WDR 5 nachhören. Der Sender hat die Gala aufgezeichnet.

Das Preisgeld für den Solisten und die Gruppe – je 4000 Euro – stifteten erneut die beiden Sponsoren, die Unternehmensgruppe Melitta und die Sparkasse Minden-Lübbecke. Das Geld für den Sonderpreis (2000 Euro) kam vom Mindener Unternehmer Anton Dschida. Die im April 2016 bekannt gegebenen Preisträger hat eine mit Kulturexperten und Journalisten besetzte Jury ausgewählt. Diese tagt wieder im Herbst des kommenden Jahres.


Auszüge aus den Statuten zur Verleihung des "Mindener Stichling"

Der Kabarett-Förderpreis "Mindener Stichling" wird ab 1994 zur Förderung des satirischen beziehungsweise politisch-literarischen Kabaretts an Solisten und Gruppen verliehen. Der alle zwei Jahre zu verleihende Preis besteht aus dem "Stichling" und ist mit jeweils 4000,-EURO dotiert.

Stifter und Verleiher des Kabarett-Förderpreises "Mindener Stichling" ist die Stadt Minden.

Die Preisträger werde durch eine von der Stadt Minden benannte unabhängige Fachjury ermittelt.

Für die Wahl kommen alle förderungswürdigen Solisten und Gruppen aus den deutschsprachigen Raum in Frage. Als förderungswürdig werden Solisten und Gruppen angesehen, deren inhaltliche Arbeit bereichernd für das Genre ist.

Jury für den Mindener Stichling

Birger Hausmann Mentor der Jury und Leiter des Amateur-Kabaretts die Mindener Stichlinge
Elke Frühling Kultur-Journalistin
Ralf Becker
Stellv. WDR Studioleiter Essen
Hans Jacobshagen WDR Köln Leiter PG Unterhaltung
Gabriele Killert Publizistin, Berlin
Michael Lages Journalist , Hamburg/Berlin
Andrea Krauledat Journalistin, Hamburg/Berlin
Uschi Umbach Kabarett Mindener Stichlinge und Mentorin i. V.

Entstehung des Mindener Stichlings
Der ehemalige Vertreter des Mindener Kulturbüros, Friedrich Wilhelm Steffen, umschreibt es so: Eine moralische Anstalt im besten Sinne, denn sie moralisieren nicht, sind die Mindener Stichlinge, Namenspatrone des Förderpreises, den sie sich als einziges Geschenk zu ihrem 25-jährigen Bühnenjubiläum Anfang der 90er-Jahre gewünscht hatten - nicht für sich, für andere, die es ihnen gleich tun und denen wir nun wünschen können, dass sie ganz wie die Mindener Stichlinge langen Atem behalten, denn die Welt im Großen wie im Kleinen, die ändert sich nicht. Und so werden wir das Kabarett noch lange nötig haben. Es ist gewissermaßen der Zacken im Zahnrad der Geschichte, und die kann durchs Kabarett nur besser werden.

 Der Kabarett-Förderpreis Mindener Stichling ist ein Jury-Preis unter Einbeziehung eines Publikumsvotums, das im Rahmen des im Bürgerzentrum (BÜZ) Minden stattfindenden Kabarett-Festivals möglich wird. Im Vorfeld und nach der Vergabe des Stichlingpreises werden den Preisträgern und anderen Kabarett-Solisten Auftritte im BÜZ ermöglicht.

Mit im Team, unterstüzend und fördernd,die Sponsoren:
Unternehmensgruppe Melitta
Sparkasse Minden-Lübbecke

Die Skulptur "Mindener Stichling" wurde von Katja Hausmann-Seeger entworfen.

Preisträger des Mindener Stichlings

Kategorie Solisten Kategorie Gruppen
1994 Lars Reichow, Wiesbaden Die Phrasenmäher, Berlin

Achim Ballert, Frank Lüdecke

1996 Volker Pispers, Düsseldorf Ganz Schön Feist, Göttingen

Matthias Zeh, Rainer Schacht, Beo Brockhausen

1998 Lioba Albus, Dortmund Pigor und Eichhorn, Berlin

Thomas Pigor, Benedikt Eichhorn

2000 Uwe Steimle, Dresden Queen Bee, Hamburg

Ina Müller, Edda Schnittgard

2002 Luise Kinseher,München Rainer Pause, Norbert Alich, Bonn
2004 Bodo Wartke , Berlin Das neue Kom(m)ödchen, Düsseldorf
2006 H.G. Butzko, Gelsenkirchen Weber-Beckmann, Essen
Einmaliger Sonderpreis zum 40 –jährigen Bestehen
des ältesten deutschen Amateurkabarett
>Mindener Stichlinge< an:
> Erstes deutsches Zwangsensemble <

Matthias Tretter, Philipp Weber, Claus von Wagner

2008 Moritz Netenjakob, Köln >Annamateur< Annemarie Scholz, David
Sick, Stephan Braun, Dresden
2010 Marc-Uwe Kling, Berlin >Schwarze Grütze<

Stefan Klucke, Dirk Pursche, Potsdam

 2012  Christoph Sieber  Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie
 Wiebke Eymess, Friedolin Müller, Hannover
2014

Anny Hartmann   

Michael Krebs und die Pommesgabel
des Teufels
2016 Nils Heinrich >Suchtpotenzial<
Ariane Müller, Julia Gamez Martin
Einmaliger Sonderpreis zum 50-jährigen         Bestehen des ältesten deutschen         Amateurkabarett >Mindener Stichling< an: Bernd Gieseking

                                          

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