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 Der "Mindener Stichling"

Der nationale Kabarett-Preis der Stadt Minden wird seit 1994 alle zwei Jahre verliehen.

Die Preisverleihung fand am Freitag, den 21. Mai 2021 im Stadttheater Minden statt.

Der Kabarettpreis "Mindener Stichling" wurde erstmals ohne Publikum verliehen.

Preisträger

Kategorie Gruppe:

Cocodello

Kategorie Solist:

Sulaiman Masomi

Moderation:

Moritz Netenjakob

 

Kulturinteressierte konnten die Veranstaltung im Stadttheater live mitverfolgen.

Die Preisverleihung und die Kostproben der ausgezeichneten Künstler*innen konnten alle Bürgerinnen und Bürger ab 20 Uhr an diesem Abend live an ihren Endgeräten mitverfolgen - ohne Eintritt.

Auch der WDR zeichnete die Preisverleihung am 21. Mai für den Hörfunk auf. Die Zusammenfassung war am 3. Juni auf WDR 5 von 20.05 Uhr bis 22 Uhr zu hören.

 

  Moritz Netenjakob moderierte die Gala

Moritz Netenjakob moderierte den Abend

 

 

 Sulaiman Masomi begeisterte mit Wortwitz

Sulaiman Masomi begeisterte mit Wortwitz

 

 Cocodello rockte den Abend

 Cocodello Auf Alten Pfannen 4213 4 Foto Andreas Schlieter

Cocodello rockte den Abend!

 

 

Stadt Minden – Pressestelle
26. Mai 2021

Kabarettpreis „Mindener Stichling 2020“ verliehen - Gala ohne Publikum
Rund 580 Zuschauer*innen verfolgten den Abend im Theater online – Preisträger begeisterten mit Wortwitz und Musik
Minden.
 Gespenstische Stille herrscht im Stadttheater als der deutsch-afghanische Autor und Poetry-Slammer Sulaiman Masomi die Bühne betritt. Genauso ergeht es eine knappe Stunde später dem Duo „Cocodello“. Kein donnernder Applaus zur Begrüßung, kein Publikum, welches die Sitzreihen füllt. Das war eine einsame Verleihung des Kabarettförderpreises „Mindener Stichling 2020“, die coronabedingt vom November 2020 in den Mai 2021 geschoben wurde – in der Hoffnung vor Publikum spielen zu können.

Die Zuschauer*innen saßen an diesem Freitagabend (21. Mai) an den Endgeräten und verfolgten von zu Hause aus die „Gala“ als Live-Stream. 578 Nutzer*innen zählte Theaterleiterin Andrea Krauledat – quasi mehr als ausverkauft. Denn das Stadttheater fasst insgesamt 540 Zuschauer*innen (mit Stehplätzen).

„Ich war oft geneigt zu klatschen“, gestand Bürgermeister Michael Jäcke am Ende der Gala. Er hatte in einer der beiden Logen Platz genommen und begrüßte von dort aus die Online-Zuschauer*innen. Gegenüber in der anderen Loge saß Moderator Moritz Netenjakob. „Ich bedaure es sehr, dass diese Verleihung coronabedingt nicht vor vollen Reihen stattfinden kann“, sagte Jäcke eingangs. Er blickte aber auch in die nahe Zukunft, in der einiges – auch in der Kultur - wieder möglich sein wird. Die Inzidenzen im Kreis bewegten sich weiter nach unten. „Das macht Hoffnung!“ 

Kaum eine andere Branche - wie Kunst und Kultur - leide seit mehr als einem Jahr schwer unter dieser Pandemie. „Das wissen wir auch als Stadt und kümmern uns“, kündigte Jäcke an. Unter dem Slogan „Minden zeigt Kultur“ wolle die Stadt den Kulturschaffenden in Minden „Anschub“ geben – mit neuen Kulturformaten, mit Raumangeboten, mit Aktionen und Förderungen. „Uns allen fehlt die Kultur – live auf der Bühne - sehr! Mir persönlich auch“, so der Bürgermeister. Auch er bekommt am Ende keinen Applaus für seine Worte, an die Moritz Netenjakob fließend anknüpft.

Netenjakob beschreibt, gespickt mit persönlichen Anekdoten, wie es sich anfühlt, mehr als ein Jahr als Künstler nicht arbeiten zu können und kein Publikum zu haben - außer der eigenen Ehefrau. Er hält sich in der Corona-Krise mit der Imitation von verschiedenen Künstlern „bei Laune“. Udo Lindenberg, Marcel Reich-Ranicki, Loriot in Person als Opa Hoppenstedt und Gerhard Polt „bevölkern“ seinen Alltag. Er empfiehlt dem Publikum die Sprüche von Udo Lindenberg als „Therapie“. „Hallohallöchen. Keine Panik auf der Titanic. Alles klar auf der Andrea Doria“. Das hebt die Stimmung. Netenjakob fragt sich selbst, ob er nicht ein bisschen verrückt geworden sei - bei so viel Einsamkeit.

Preisträger Sulaiman Masomi greift bei seinem Auftritt eine Wohnungssuche in Köln auf, die mehrfach scheitert. Er weiß: Als freischaffender Künstler eine Wohnung zu bekommen, ist fast unmöglich – da hilft auch kein Angebot „Kunst statt Miete“. Er schlägt Bögen zur Evolution und kommt zu Donald Trump. Er kokettiert mit seiner Herkunft und beschreibt, wie ein afghanisches Familientreffen aussieht, das niemals ohne Übertreibungen auskommt. 

Masomi gilt daher im Kreise seiner Lieben als der „wohl berühmteste Autor weltweit“. Widerspruch wird nicht geduldet, muss er erfahren. „Vielleicht bin ich auch überintegriert“, fragt er sich. Er liest aus zwei eigenen Werken. Im „Rat der Sprache“ wird der Untergang des Genetivs verhandelt – sprachlich ausgefeilt und perfekt vorgetragen. Das hätte einen riesigen Applaus verdient. Artig verbeugt er sich vor den Zuschauern - zuhause.

Dass das Publikum fehlt, wird besonders beim Auftritt von „Cocodello“ deutlich. Das Duo bekommt den Preis in der Kategorie „Gruppe“. Sängerin und Schauspielerin Cornelia Schirmer („Coco“) und Musiker Delio Malär (Spitzname „Dello“) erzählen Geschichten, die sich anschließend in ihren Stücken fortsetzen – auf der Bühne unterstützt durch Lorenz Schmidt (Schlagzeug) und Alex Szustak (Bass). „Cocodello“ vermischen in ihrem halbstündigen Auszug Chansons mit Pop oder auch hartem Rock. Die Beiden boten „ein einzigartiges Spektakel aus Komik und Kreativität“. „Das Feuerwerk der Kabarettkunst wird sich auch die Online-Zuschauer*innen begeistert haben“, ist sich Theaterleiterin Andrea Krauledat sicher.

Die beiden einzigen „Zuschauer“ Bürgermeister Michael Jäcke und Moderator Moritz Netenjakob zeigten sich am Ende begeistert. Zum Finale überreichte Jäcke die beiden „gewichtigen Preise“, für die sich Preisträger herzlich bedankten. Rund 2,5 Kilogramm bringt ein „Mindener Stichling“ aus Bronze auf die Waage, der nun zum 14. Mal verliehen wurde. Seit 1994 haben Künstler*innen sowie Gruppen aus der gesamten Bundesrepublik den Kabarettpreis erhalten und nicht selten kurze Zeit darauf den Sprung auf die ganz großen Bühnen geschafft. 

Die nationale Auszeichnung wird von der Stadt Minden alle zwei Jahre mit Unterstützung der Sponsoren Sparkasse Minden-Lübbecke und der Unternehmensgruppe Melitta vergeben. Diese stellen das Preisgeld in Höhe von je 4.000 Euro und die schwergewichtige Bronzefigur, die immer am Abend der Gala überreicht wird – nächstes Mal sicher wieder vor Publikum.

Hinweis: Der WDR hat die Preisverleihung am 21. Mai für den Hörfunk aufgezeichnet. Die Zusammenfassung war am 3. Juni auf WDR 5 von 20.05 Uhr bis 22 Uhr zu hören. 


Auszüge aus den Statuten zur Verleihung des "Mindener Stichling"

Der Kabarettpreis "Mindener Stichling" wird ab 1994 zur Förderung des satirischen beziehungsweise politisch-literarischen Kabaretts an Solisten und Gruppen verliehen. Der alle zwei Jahre zu verleihende Preis besteht aus dem "Stichling" und ist mit jeweils 4000,-EURO dotiert.

Stifter und Verleiher des Kabarett-Förderpreises "Mindener Stichling" ist die Stadt Minden.

Die Preisträger werde durch eine von der Stadt Minden benannte unabhängige Fachjury ermittelt.

Für die Wahl kommen alle förderungswürdigen Solisten und Gruppen aus den deutschsprachigen Raum in Frage. Als förderungswürdig werden Solisten und Gruppen angesehen, deren inhaltliche Arbeit bereichernd für das Genre ist.

Jury für den Mindener Stichling

Birger Hausmann Mentor der Jury und Leiter des Amateur-Kabaretts die Mindener Stichlinge
Elke Frühling Kultur-Journalistin
 
Hans Jacobshagen WDR Köln Leiter PG Unterhaltung
Gabriele Killert Publizistin, Berlin
Michael Lages Journalist , Hamburg/Berlin
Andrea Krauledat Journalistin, Hamburg/Berlin
Uschi Umbach Kabarett Mindener Stichlinge und Mentorin i. V.

Entstehung des Mindener Stichlings
Der ehemalige Vertreter des Mindener Kulturbüros, Friedrich Wilhelm Steffen, umschreibt es so: Eine moralische Anstalt im besten Sinne, denn sie moralisieren nicht, sind die Mindener Stichlinge, Namenspatrone des Förderpreises, den sie sich als einziges Geschenk zu ihrem 25-jährigen Bühnenjubiläum Anfang der 90er-Jahre gewünscht hatten - nicht für sich, für andere, die es ihnen gleich tun und denen wir nun wünschen können, dass sie ganz wie die Mindener Stichlinge langen Atem behalten, denn die Welt im Großen wie im Kleinen, die ändert sich nicht. Und so werden wir das Kabarett noch lange nötig haben. Es ist gewissermaßen der Zacken im Zahnrad der Geschichte, und die kann durchs Kabarett nur besser werden.

 Der Kabarettpreis Mindener Stichling ist ein Jury-Preis unter Einbeziehung eines Publikumsvotums, das im Rahmen des im Bürgerzentrum (BÜZ) Minden stattfindenden Kabarett-Festivals möglich wird. Im Vorfeld und nach der Vergabe des Stichlingpreises werden den Preisträgern und anderen Kabarett-Solisten Auftritte im BÜZ ermöglicht.

Mit im Team, unterstüzend und fördernd,die Sponsoren:
Unternehmensgruppe Melitta
Sparkasse Minden-Lübbecke

Die Skulptur "Mindener Stichling" wurde von Katja Hausmann-Seeger entworfen.

Preisträger des Mindener Stichlings

Kategorie Solisten Kategorie Gruppen
1994 Lars Reichow, Wiesbaden Die Phrasenmäher, Berlin

Achim Ballert, Frank Lüdecke

1996 Volker Pispers, Düsseldorf Ganz Schön Feist, Göttingen

Matthias Zeh, Rainer Schacht, Beo Brockhausen

1998 Lioba Albus, Dortmund Pigor und Eichhorn, Berlin

Thomas Pigor, Benedikt Eichhorn

2000 Uwe Steimle, Dresden Queen Bee, Hamburg

Ina Müller, Edda Schnittgard

2002 Luise Kinseher,München Rainer Pause, Norbert Alich, Bonn
2004 Bodo Wartke , Berlin Das neue Kom(m)ödchen, Düsseldorf
2006 H.G. Butzko, Gelsenkirchen Weber-Beckmann, Essen
Einmaliger Sonderpreis zum 40 –jährigen Bestehen
des ältesten deutschen Amateurkabarett
>Mindener Stichlinge< an:
> Erstes deutsches Zwangsensemble <

Matthias Tretter, Philipp Weber, Claus von Wagner

2008 Moritz Netenjakob, Köln >Annamateur< Annemarie Scholz, David
Sick, Stephan Braun, Dresden
2010 Marc-Uwe Kling, Berlin >Schwarze Grütze<

Stefan Klucke, Dirk Pursche, Potsdam

 2012  Christoph Sieber  Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie
 Wiebke Eymess, Friedolin Müller, Hannover
2014

Anny Hartmann   

Michael Krebs und die Pommesgabel
des Teufels
2016 Nils Heinrich >Suchtpotenzial<
Ariane Müller, Julia Gamez Martin
Einmaliger Sonderpreis zum 50-jährigen         Bestehen des ältesten deutschen         Amateurkabarett >Mindener Stichling< an: Bernd Gieseking

 2018      Nektarios Vlachopoulus                                         Duo Simon & Jan

2020     Sulaiman Masomi                                     >Cocodello<

                                                                       Cornelia Schirmer, Delio Malär

    

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